01, Warum Controlling? (Reihe)

Der Controller – Welche Hard- und Soft-Skills sollte er besitzen?


Controlling – mehr als Zahlen. Die Anforderungen an Controller, wie sie sich aus den Arbeitsaufgaben und dem Arbeitsumfeld ergeben, unterliegen einer hohen Veränderungsdynamik. Ein voranschreitender Wandel beruflicher Ansprüche und Veränderungen im Beruf- und Selbstverständnis der Controller tun ihr Übriges. Eine erfolgreiche Tätigkeit im Controlling wird heute determiniert durch eine Vielzahl von Fragen zu Eignung, Fertigkeiten, Fähigkeiten, Kenntnissen und Können. Was sind aber ganz konkret die Anforderungen, damit erfolgsversprechende Karrierepfade betreten werden bzw. Controller ihre Attraktivität für den Arbeitsmarkt aufrecht erhalten? Der folgende Beitrag nimmt sich dieser Frage an.

Natürlich gibt es nicht den einen Controller. Neben die Basisanforderungen für das Ausüben einer Controller-Tätigkeit treten zusätzlich unternehmens- und stellenindividuelle Aspekte. Unternehmen unterscheiden sich nun einmal zum Beispiel hinsichtlich Struktur bzw. Organisation, Betriebskultur, Märkten, Wettbewerbsumfeld, Produkten und nicht zuletzt der Phase, in der sie sich befinden (Expansion, Krise etc.).

All diese Faktoren bedingen in Teilen ein unterschiedliches Vorgehen des Controllers und damit ein differenziertes Anforderungsprofil. Auch wird etwa von einem CFO oder Leiter Controlling in aller Regel noch eine größere Ausgeprägtheit von Fähigkeiten und Kompetenzen abverlangt, als dies bei einem „gewöhnlichen” Controlling-Mitarbeiter der Fall ist.

Dennoch gibt es ein gewisses Bündel an Basisqualifikationen, das jedem Controller gut zu Gesicht steht. Im Wesentlichen lassen sich dabei die vier folgenden Kompetenzfelder unterscheiden.

 

Die Kompetenzarten im Überlick

 
Fachkompetenz: Sie umfasst fachliche Kenntnisse aus Theorie und Praxis sowie das Verständnis der entsprechenden Zusammenhänge. Dieses „Handwerkszeug” erlaubt es dem Controller, berufliche Aufgaben souverän, eigenverantwortlich und fachlich korrekt zu lösen. Fachliche Kenntnisse sind für Controller daher Pflicht und keine Kür, um ihre Tätigkeit erfolgreich ausüben zu können.

Da sich das Aufgabengebiet von Controllern durchaus wandelt und in regelmäßigen Abständen neue Themenstellungen auf die Agenda treten, ist außerdem die Bereitschaft zu einer ständigen fachlichen Weiterbildung nötig i.S. Controlling, Rechnungswesen, Informationstechnologie etc.

 
Geschäftskompetenz: In der Idealvorstellung verhelfen Controller der Geschäftsführung zu besseren Entscheidungen und tragen proaktiv, d.h. aus eigenem Antrieb, zu einer Wertsteigerung bei. Dafür ist es unablässlich, dass der Controller etwas vom Geschäft und dessen Zusammenhängen versteht. Nur auf diese Weise wird er zudem auch als Sparrings- und Diskussionspartner von anderen Fachabteilungen aus z.B. Produktion und Vertrieb Akzeptanz erhalten.

Daher gilt für jeden Controller: Innerhalb des eigenen Unternehmens schnell tiefere Kenntnisse erlangen zu Produkten, Märkten, Technologien, Organisation, strategischer Ausrichtung und den jeweiligen Erfolgsfaktoren. Dadurch lassen sich gewonnene Zahlen und Ergebnisse stets sachgerecht beurteilen und interpretieren.

 
Methodenkompetenz: Die Kenntnis entsprechender Methoden erleichtert dem Controller seine Arbeit teils erheblich, wenn es etwa darum geht, anfallende Probleme zunächst zu erkennen, und dann auch durch geeignete Vorgehensweisen zu lösen. Beispielhaft genannt sei hier die handlungssichere Anwendung von Präsentationstechniken, Problemlösungs- und Kreativitätstechniken oder Projektmanagement.

 
Soziale Kompetenz: Dem Controller fehlt zumeist entsprechende hierarchische Macht, wodurch er seinen „Benefit” für das Unternehmen stehts kommunikativ, im Dialog, in der Diskussion und gegebenenfalls auch mal im Konflikt zur Geltung bringen muss. Immer komplexer werdende Fragestellungen müssen gegenüber Nicht-Controllern überzeugend sowie verständlich dargestellt und erläutert werden.

Mit Team-, Kommunikations-, Konflikt-, Durchsetzungs- und Kooperationsfähigkeiten in sozialen Beziehungen kann der Controller andere Organisationsmitglieder „bewegen”, d.h. Ideen anregen, Entschlusskraft zeigen, Impulse setzen und eine Treiberrolle einnehmen.
 

 

Die 10 wichtigsten Soft Skills für Controller

In loser Reihenfolge erachten wir die folgenden zehn „weichen Faktoren” als die wichtigsten im täglichen Controller-Dasein. Der „gute” Controller verfügt über…

01. Teamfähigkeit
Alleine im Büro über Zahlen und Excel-Tabellen brüten war gestern. Der Controller von heute arbeitet in interdisziplinären Teams an der Lösung komplexer Fragestellungen und treibt die erfolgreiche Unternehmensentwicklung voran. Als interner Unternehmensberater tauscht er sich regelmäßig mit dem Management und den anderen Fachabteilungen aus.

02. Kommunikationsfähigkeit (zzgl. Kontaktstärke)
Der Controller besorgt sich Daten und Kennzahlen aus verschiedensten Quellen innerhalb des Unternehmens und aggregiert diese Informationen im Anschluss zum Beispiel zu Entscheidungsvorlagen für das Management. Für beide Vorgänge ist dabei intensive Kommunikation mit den jeweiligen Verantwortlichen nötig: Um zum einen über das aktuelle Geschehen im Unternehmen Bescheid zu wissen und zum anderen auch die drängenden Informationsbedürfnisse der Berichtsempfänger einschätzen zu können.

03. Zahlenaffinität (zzgl. analytischem Denken)
Das Analysieren von Daten und Kennzahlen gehört zum täglichen Brot des Controllers. Er ist der erste Ansprechpartner für Nicht-Controller innerhalb des Unternehmens, wenn es um Umsatzzahlen, Kostenstrukturen oder um Budgets geht. Für die Einschätzung von Zusammenhängen und Entwicklungen verfügt der Controller über eine große Portion analytischen Denkvermögens. Eine von Exaktkeit geprägte Arbeitsweise ist in diesem Zusammenhang für ihn ebenso selbstverständlich.

04. Strategisches Denken
Der Controller wirkt auch daran mit, die Zukunft des Unternehmens erfolreich zu gestalten. Zukunftsgerichtet optimiert er tagtäglich an Zielen wie einem wirtschaftlich gesund dastehenden Unternehmen, spürbaren Gewinnsteigerungen oder der Minimierung von Kostenentwicklungen. Seine passgenauen Strategieansätze, Pläne und Maßnahmen hierfür präsentiert er dem Management gegenüber in verständlicher und angemessener Form.

05. Interkulturelle Kompetenz
Die zunehmende Einbindung nicht nur in interdisziplinäre, sondern in vielen Unternehmen auch internationale Projekte, setzt neben den entsprechenden Fremdsprachenkenntnissen auch ein gewisses Maß an interkultureller Kompetenz voraus. Die ausländischen Kollegen des deutschen Controllers haben zudem gegebenenfalls ein anderes Verständnis von Controlling, was eine gemeinsame Abstimmung der Controlling-Instrumente erforderlich macht.

06. Überzeugungskraft
Der Controller sitzt nicht selten einmal zwischen den Stühlen: Während das Management zum Beispiel an Kosteneinsparungen in den Fachabteilungen interessiert ist, sehen diese das erfahrungsgemäß natürlich anders. Am Ende muss der Controller aber immer auf die für das Unternehmen objektiv am Besten geeignete Lösung hinarbeiten. Gerade die Kollegen von den eigenen Ideen und Lösungsansätzen zu überzeugen, ist daher eine sehr wichtige Eigenschaft für ihn.

07. Proaktives Handeln
Durch eine vorausschauende Arbeitsweise ergreift der Controller von sich aus die Initiative innerhalb des Unternehmens. Stellt er Zielabweichungen oder unerwünschte Entwicklungen fest, so liegt es an ihm, diese Probleme schnell und aktiv gegenüber den entsprechenden Entscheidungsträgern zu kommunizieren sowie erste Gegenmaßnahmen vorzuschlagen. Dadurch lässt sich eine Verschlimmerung der Symptome oftmals noch wirksam eindämmen.

08. Prozess- und Zielorientierung
Der Controller fungiert als Unterstützer für das Management bei Lenkung der Zielbildungs-Prozesse sowie der Planung und Steuerung von betriebswirtschaftlichen Vorhaben. Um die Komplexität zu reduzieren und Entscheidungen zu beschleunigen, sollte er daher niemals weder das Ziel noch den Weg dorthin aus den Augen verlieren. Außerdem ist der Controller im Optimalfall in der Lage, Sachverhalte, Prozesse, Personen und Ziele aufeinander abzustimmen und zu verbinden.

09. Durchsetzungsstärke
Nicht selten ist der Controller Überbringer schlechter Nachrichten und wird dann (zunächst) auch für deren Inhalt mitverantwortlich gemacht. Gerade bei den daraufhin folgenden Diskussionen mit dem Management muss der Controller daher zumindest teilweise seine begründeten Standpunkte und Vorschläge gegenüber den Führungskräften vertreten und kompromissorientiert durchsetzen können.

10. Verhandlungssicherheit
Im Zuge von Planung und Steuerung setzt sich der Controller mit den oft gegensätzlichen Interessen der einzelnen Fachabteilungen auseinander. In intensiven Verhandlungen verabschiedet man gemeinsam Zielvorgaben und vereinbart Gegenmaßnahmen bei auftretenden Zielabweichungen. Die effektive Lenkung von Diskussionen sowie die Bündelung und objektive Gewichtung von Interessen geht dem Controller durch Kooperations-, Moderations-, Konflikt- und Verhandlungsfähigkeit leichter von der Hand.

 
 
Weitere Artikel aus dieser Themenreihe:


01. Warum Controlling? – Eine kleine Geschichte zum Start… (Einführung)
02. Der Controller – Allgemeines Leitbild und Aufgabenbereich
03. Der Controller – Welche Hard- und Soft-Skills sollte er besitzen?
04. Mögliche Spannungsfelder im Controlling erkennen und souverän umschiffen

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