01, Green Controlling (Reihe)

Green Controlling I: Nachhaltigkeit als Zukunftsthema


Für viele Menschen bedeutet der Begriff „Nachhaltigkeit” lediglich eine synonyme Bezeichnung für den Schutz der Umwelt. Doch hinter nachhaltigem Handeln steckt noch deutlich mehr: Die Zukunftsfähigkeit der ökologischen, ökonomischen und sozialen Systeme sicherstellen – trotz Begrenztheit von Ressourcen und stetig voranschreitendem Wirtschaftswachstum.

Zur Relevanz der Nachhaltigkeit

Vereinfacht lässt sich ein normaler Wirtschaftsprozess in drei aufeinander folgende Schritte aufsplitten:

  1. Der Erde werden Ressourcen entnommen und daran anschließend Produkte gefertigt.
  2. Die hergestellten Produkte fließen in die nachgelagerte Produktion oder werden von Endverbrauchern genutzt.
  3. Im Rahmen der Weiterverarbeitung bzw. Endnutzung der Produkte fallen einzelne Abfälle an und/oder die Produkte werden nach Gebrauch vollständig entsorgt.

Dieser dargestellte Prozess ist somit durch zwei wesentliche Faktoren gefährdet: Zum einen sind die auf der Erde existierenden Ressourcen nicht unendlich verfügbar, zum anderen ist auch die Aufnahmekapazität unserer Umwelt für Abfälle und Emissionen rückläufig.

Ließe sich diese Problematik durch eine stetige Abwendung vom Wirtschaften entschärfen? Für sich alleine betrachtet möglicherweise. Im globalen Betrachtungskontext wären mit einem kontinuierlichen Rückgang des Wirtschaftswachstums jedoch zahlreiche negative Effekte verbunden.

Beispielhaft erwähnt seien: Weitere Abkehr vom Ziel einer gesellschaftlichen Vollbeschäftigung, zunehmende Unmöglichkeit des Tilgens einer Staatsverschuldung, voranschreitendes Auseinanderklaffen der Vermögensschere zwischen armen und reichen Bevölkerungsteilen, sozial-staatliche Konstrukte wären mit höherer Wahrscheinlichkeit nicht überlebensfähig.

Dass Wirtschaftswachstum bewusst ausgebremst wird zu Gunsten der Aufrechterhaltung abbaubarer Ressourcen sowie Verringerung der Umweltbelastung durch Rückführung der genutzten Produkte, stellt somit keine ernstzunehmende Alternative dar. Eine nachhaltige Lösung dieses Zielkonfliktes muss stattdessen anderweitig erfolgen.

 

Drei-Säulen-Modell nachhaltiger Entwicklung

Kernthese des „Drei-Säulen-Modells der Nachhaltigkeit” ist, dass nachhaltige Entwicklung nur durch gleichzeitiges und aufeinander abgestimmtes Umsetzen von ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Zielen gelingt – so lässt sich die Leistungsfähigkeit der Gesellschaft sicherstellen und weiterhin verbessern.

Die ökologische Dimension: Sie umfasst den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen (klimatische Verhältnisse, Artenvielfalt, Ökosysteme, Bedingungen zu Boden, Luft und Wasser). Im Vordergrund steht eine schonende Nutzung der Ressourcen und das Sicherstellen einer dauerhaften Versorgung mit diesen auch in Zukunft. Beispiel: In den Wäldern nur so viel Holz schlagen, wie durch Wiederaufforstung neue Bäume nachwachsen.

Die ökonomische Dimension: Der Wohlstand aller soll langfristig Bestand haben und nach Möglichkeit noch weiter zulegen. Erreichbar wird dies beispielsweise durch innovative ressourcenschonende Produktionsverfahren, welche gleichzeitig über den höheren Produkt-Output u.a. auch zu einer Steigerung der Lebensqualität der Konsumenten führen.

Die soziale Dimension: Diese Ebene beschäftigt sich insbesondere mit Fragen zur Generationengerechtigkeit (Verteilung Wohlstand etc.) sowie einer gerechten Güterverteilung auf globaler Ebene. Ferner sind zum Beispiel auch die Weiterentwicklung demokratischer Strukturmodelle und zukunftsfähiger Lebensstile ein zentrales Thema.

 

Nachhaltigkeit und deren Messung

Neben den einzelnen Menschen sind natürlich auch die innerhalb der übergeordneten Organisation des Staates agierenden Unternehmen direkte Akteure, wenn es um die ökologische, soziale und ökonomische Ausgestaltung der Welt geht. Dabei fungiert für diese jedoch zunächst das wirtschaftliche Wachstum als vorrangiges Ziel, Umweltbelange werden hingegen zumeist eher nur im Rahmen der Gesetzgebung beachtet und sollen die wirtschaftlichen Aktivitäten nach Möglichkeit nicht behindern. Dennoch verlangt beispielsweise eine zunehmende Anzahl an Endverbrauchern, dass sich die Produzenten vermehrt um ihre Umwelt verdient machen.

Um dieser Verpflichtung zu einer verstärkten Außendarstellung der nachhaltigen Verantwortung nachzukommen, können sich die betreffenden Unternehmen mittlerweile u.a. global akzeptierter, vergleichbarer Berichtsstandards der Global Reporting Initiative (https://www.globalreporting.org/) bedienen. Deren Nachhaltigkeits-Indikatoren ermöglichen in den einzelnen Produktionsstufen so zum Beispiel detaillierte Aussagen zu Nachhaltigkeits-Zielen wie

  • Reduktion von im Produktionsprozess anfallenden Abfällen und Abwässern,
  • konsequentes Verringern der benötigten Material-, Wasser- und Energieressourcen,
  • Verbessern von Arbeitssicherheit und Hygienestandards,
  • keine Kinderarbeit im eigenen Unternehmen sowie bei den Zulieferern,
  • Wachstum durch den Ausbau der eigenen Produktpräsenz in Wachstumsmärkten.

 

Ausblick Reihe

In den nachfolgenden Teilen dieser „Green Controlling”-Beitragsreihe wird u.a. noch im Detail weiter auf geeignete Indikatoren für Nachhaltigkeit und deren Messbarkeit sowie die einzelnen Prozessstufen (Fünf-Stufen-Modell der Nachhaltigkeit) im Rahmen eines umfassenden Nachhaltigkeits-Controllings eingegangen.

 
 
Weitere Artikel aus dieser Themenreihe:


Green Controlling I: Nachhaltigkeit als Zukunftsthema
Green Controlling II: Nachhaltiges Unternehmen werden in fünf Schritten
Green Controlling III: Nachhaltigkeits-Controlling im betrieblichen Tagesgeschäft
Green Controlling IV: Der Controller als Fixpunkt für nachhaltiges Wirtschaften

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